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Eine Predigt über die "äußere" und die "innere" Zeit (Psalm 31,16) "Meine Zeit steht in deinen Händen"
1. Die Obbornhofener Kirchturmuhr als Predigerin Liebe Gemeinde, Sie hat aber nicht nur die Zeit angesagt, sondern als Kirchenuhr auch an Gottes Zeit und seine Ewigkeit erinnert. Sie hat mit ihrem Glockenschlag sozusagen auch gepredigt und den Obbornhofenern ins Gedächtnis gerufen, was der Dichter von Psalm 31 so ausdrückt: "Meine Zeit steht in deinen (Gottes) Händen." (Vers 16) Mein Leben, die Zeit, die mir gegeben ist, steht in deinen Händen. Alle Sekunden, Minuten, Stunden und Jahre. 2. Äußere und innere Zeit ("die" Zeit und "meine" Zeit) Dazu noch ein paar Gedanken. Es heißt "meine" Zeit - und nicht "die" Zeit. "Die" Zeit: das ist die äußere, die messbare Zeit, von der Uhr zerlegt in lauter gleich lange Abschnitte. Eine Minute ist immer gleich lang, ob das heute ist oder in 20 Jahren. Für diese äußere Zeit war die Obbornhofener Kirchturmuhr zuständig. Der Glaubenssatz des Psalmdichters meint aber mehr als nur: Gott hält die äußere Zeit in seinen Händen, ist der Herr über sie. Es gibt auch eine innere, eine gespürte Zeit: Eine Minute kann eine halbe Ewigkeit dauern (für jemand, der in Lebensgefahr ist) oder eine Stunde bei einem interessanten Gespräch wie im Flug vergehen. Und für einen Pfarrer ist es erfreulich, wenn ein Predigthörer nach 5 Minuten auf die Uhr schaut und ganz erstaunt merkt: Die Predigt dauert ja schon 15 Minuten. (Das Umgekehrte gibt's natürlich auch...) Für ungeduldig Wartende dehnen sich die Minuten zu Stunden und "dem Glücklichen schlägt keine Stunde", für ihn ist es, als ob die Zeit still steht. Viele empfinden es so, dass die Jahre immer schneller vorbei ziehen, je älter sie werden. - So geht unsere innere Uhr oft ganz unabhängig von der äußeren - mal schnell, mal langsam. Das ist "meine" Zeit, das ist "deine" Zeit, das macht meine, das macht deine Lebensgeschichte aus - diese vielen Augenblicke inmitten der äußeren, von der Uhr gegliederten Zeit. "Meine Zeit steht in deinen Händen." 3. Die innere Zeit hat unterschiedliche Qualität Meine Zeit und deine Zeit läuft nicht nur mal schnell und mal langsam, sondern sie hat auch unterschiedliche Qualität. Glückliche Zeit, voll intensiver Gefühle: Hochzeit - dieses Wort benützen wir ja auch für das große Fest von 2 Menschen, die ihr Ja zueinander feiern. Glücksmomente, oft nur kurz, von denen man aber noch lange erfüllt ist, die einen für die nächste Zeit beflügeln. Dann gibt es Tage, Wochen oder Jahre, die man am liebsten aus seinem Leben streichen möchte, eintönige, ereignislose, graue Tage, einsame oder verzweifelte Zeiten, Zeiten der Trauer und des Schmerzes, der Angst oder geprägt von Stress bis an oder über die Grenzen der Belastbarkeit. Da gibt es bei Vätern und Müttern die Hoch-Zeit der Geburt ihrer Kinder und später die bis zur Erschöpfung anstrengende Zeit mit den ständigen nächtlichen Unterbrechungen. Erfüllte und leere Zeit. Aber auch in den verschiedenen Lebensphasen hat die Zeit unterschiedliche Qualität. So beschreibt der Prediger Salomo das Alter als die Jahre "da du wirst sagen: 'Sie gefallen mir nicht'" (Prediger 12,1) Auch die leere Zeit ist meine Zeit. Ohne sie ist mein Leben nicht vollständig. Ohne sie weiß ich nicht, was erfüllte Zeit ist, kann ich die glückliche Zeit nicht würdigen, kann ich nicht reifen, kann keine Hoffnung auf bessere Zeiten in mir wachsen. Ohne diese Erfahrung kann ich anderen Menschen, die leiden, nicht nahe kommen. Und diese Zeit ist auch deshalb nicht leere oder verlorene Zeit, weil auch für sie gilt: "Meine Zeit steht in deinen Händen." Auch dort begleitet mich Gott, ist er mir nahe, auch wenn ich das vielleicht weniger wahrnehme. Keine Zeit, die ich glücklich erlebe oder durchleide fällt aus seinen Händen. 4. Ich soll meine Zeit gestalten Es ist durchaus von unserem Schöpfer gewollt, dass unsere Zeit erfüllt ist, dass wir glücklich sind. Jesus hat dazu eine Menge gesagt und vorgelebt. Als Zusammenfassung könnte man daraus formulieren: Einen Gewinn für mich und andere bringt es, wenn ich:
Dabei ist es wichtig, sich als Schwestern und Brüder zu verstehen und zu begegnen. Gastfreundschaft zu üben. An "Gefangene" (nicht nur im Gefängnis) zu denken. Den Ehepartner, die Ehe zu achten. Nicht hinter dem Geld her zu sein und dabei den Hals nicht voll kriegen zu können. Auf eines ist in diesen vielen unterschiedlich geprägten Zeiten und den Anforderungen, die sie an mich stellen, Verlass: "Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in alle Ewigkeit." (Hebräer 13,8). Seine Maßstäbe, seine Worte und Handlungsanleitungen haben Bestand. 5. Meine Zeit besteht aus lauter AugenblickenDie Zeit besteht aus vielen Augenblicken, aus lauter Chancen, die ich nützen kann, wenn ich aufmerksam und achtsam damit umgehe: Jesus hat vom "Kairos" gesprochen, vom Augenblick, der von mir eine Entscheidung will und voller Verheißung für eine erfüllte Zukunft steckt. Andreas Gryphius hat die Aufmerksamkeit auf den Augenblick gerichtet mit den Worten:
Mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen. Der Augenblick ist mein, und nehm ich den in acht, so ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht." Das Foto mit den Teilen einer Uhr in der Hand ist ein symbolisches Bild für den Satz "Meine Zeit steht in deinen Händen": All die vielen erfüllten und leeren, beglückenden und belastenden Augenblicke meines Lebens scheinen wie die Teile der Uhr als Bruchstücke unverbunden in der Hand dessen zu liegen, der die Zeit in Händen hält. Aber Gott macht aus diesen vielen einzelnen Augenblicken und Zeitabschnitten ein Ganzes: meine ganz unverwechselbare Lebenszeit. Das Verbindende ist seine Liebe, die mir immer wieder in unterschiedlichsten Formen begegnet und mich in jedem Augenblick meinerseits zur Nächstenliebe herausfordert. Ich wünsche uns viele erfüllte Augenblicke und Vertrauen in den, der "Jahr und Ewigkeit gemacht" hat und unsere Zeit in Händen hält.
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