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Marita Molthan: Wir haben in unserem Kindergarten seit Jahren einen hohen Anteil von ca. 25% Ausländer- bzw. Aussiedlerkindern. Die meisten von ihnen sind zwar in Deutschland geboren, gewöhnen sich ein wie alle anderen, haben aber oft Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Sie erleben außerdem zu Hause vielfach noch andere Gewohnheiten und Wertmaßstäbe als die übrigen Mädchen und Jungen. Manchmal hilft es ihnen, sich in kleinen Grüppchen zusammen zu schließen, die Türkisch, Russisch, Polnisch, Albanisch o.ä. dann als Geheimsprache benutzen können...
KTB: Ermahnen Sie die Kinder, wenn Sie so etwas beobachten? Sollen Sie im Kindergarten ausschließlich Deutsch sprechen?
M. M.: Die Muttersprache bzw. die Sprache der früheren Heimat der Familie vermittelt in vielen Fällen ein Gefühl von Geborgenheit. Wo diese fremde Sprache dem Kind hilft, sich wohl zu fühlen oder seine Identität zu finden, verbieten wir ihren Gebrauch nicht, sondern ermutigen sogar dazu. Wir wissen aber, wie wichtig gute deutsche Sprachkenntnisse für Schule und Ausbildung sind. Deshalb kümmern wir uns um Sprachförderung - übrigens ja nicht nur bei den Ausländer- und Aussiedlerkindern: viele Kinder haben Probleme mit richtiger Aussprache, Satzbau und Ausdruck!
KTB: Wie sieht Sprachförderung im Kindergarten aus?
M. M.: Die pädagogischen Mitarbeiterinnen beobachten genau, wo die Schwierigkeiten im einzelnen liegen. Sie können im Gespräch mit den Kindern z.B. bei der Wortwahl Hilfestellungen geben, im thematischen Zusammenhang den Wortschatz erweitern oder auch in kleinen Gruppen sprechen üben. Vieles lernen die Kinder voneinander...
KTB: Gibt es Freundschaften unter Kindern mit verschiedener Muttersprache?
M. M.: Solche Beziehungen entwickeln sich durchaus - es ist aber wichtig, dass sie auch außerhalb der Kindergartenzeit gepflegt werden. Verabredungen für den Nachmittag wären wünschenswert. Die jeweiligen Eltern könnten dies aktiv unterstützen, sind sich aber oft fremd.
KTB: Erreichen Sie die Eltern, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind?
M. M.: Wir bemühen uns sehr darum im Interesse der Kinder und der Erwachsenen! Dabei haben wir die Erfahrung gemacht, das sich dieser Personenkreis am besten über Eltern-Kind-Veranstaltungen aktivieren lässt: Die Kinder nehmen sozusagen die Erwachsenen an die Hand, und sie verlieren auf diese Weise etwas von ihrer Befangenheit...
KTB: Was könnte auf dem Weg zur Integration noch verbessert werden?
M. M.: Es ist notwendig, dass wir miteinander ins Gespräch kommen, um uns besser zu verstehen: Väter, die aus einem anderen kulturellen Umfeld stammen, lernen so z.B. zu akzeptieren, dass Frauen in unserer Gesellschaft gleichberechtigt sind und deshalb die Auskünfte und Anweisungen von den - ausschließlich weiblichen! - Mitarbeiterinnen ernst zu nehmen sind. Wir selbst können lernen, uns fremde Werte zu achten und zu respektieren, um nicht ungewollt zu verärgern oder zu verletzen. Wir können manches Interessante aus anderen Kulturen erfahren und uns damit auseinandersetzen!
Im Kindergartenalltag stört uns sehr, wenn wir Ausgrenzung oder Distanzierung unter den Kindern feststellen, die sich an der Sprache festmacht: Wird ein türkisches Kind etwa als "der Türke" bezeichnet, weisen wir darauf hin, dass jedes Kind einen Vornamen hat...
Von den Eltern der Ausländer- und Aussiedlerkinder wünschen wir uns, dass sie selbst an der Verbesserung ihrer Deutschkenntnisse interessiert sind und dadurch auch die Kinder ermutigen, sich in der deutschen Sprache ebenso zu Hause zu fühlen!
KTB: Wir wünschen Ihrer Arbeit weiterhin viel Erfolg!
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